Lohnt sich die Riester-Rente noch? Eine ehrliche Analyse
Die Riester-Rente gilt als Symbol für staatlich geförderte Altersvorsorge – aber auch als Symbol für Bürokratie und schlechte Rendite. Wann lohnt sie sich wirklich?
Inhalt
- 1.Was steckt hinter der Riester-Rente?
- 2.Die Förderstruktur im Detail
- 3.Für wen lohnt sich Riester wirklich?
- 4.Die größten Kritikpunkte
- 5.Was bedeutet die Abschaffung ab 2027?
Was steckt hinter der Riester-Rente?
Die Riester-Rente wurde 2002 eingeführt, um die Lücke auszugleichen, die durch die Absenkung des gesetzlichen Rentenniveaus entstand. Das Prinzip: Der Staat fördert private Altersvorsorge durch Zulagen und Steuervorteile, damit Arbeitnehmer selbst vorsorgen. Klingt gut – aber die Realität sieht differenzierter aus.
Die Förderstruktur im Detail
| Zulage | Betrag | Bedingung |
|---|---|---|
| Grundzulage | 175 €/Jahr | Mind. 4 % des Bruttoeinkommens einzahlen (abzüglich Zulagen) |
| Kinderzulage (ab 2008) | 300 €/Kind/Jahr | Kind muss kindergeldberechtigt sein |
| Kinderzulage (vor 2008) | 185 €/Kind/Jahr | Kind muss kindergeldberechtigt sein |
| Berufseinsteiger-Bonus | 200 € (einmalig) | Unter 25 Jahre bei Vertragsabschluss |
Für wen lohnt sich Riester wirklich?
- Familien mit mehreren Kindern: Bei 2 Kindern (nach 2008) gibt es 175 + 600 = 775 €/Jahr Förderung – auf 1.200 € Eigenbeitrag sind das 65 % staatliche Kofinanzierung
- Geringverdiener: Wer wenig verdient, zahlt wenig Mindesteigenbeitrag und bekommt trotzdem volle Zulagen
- Beamte und Pflichtversicherte: Riester ist für alle zugänglich, die in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind
- Steuerpflichtige in hoher Steuerklasse: Beiträge bis 2.100 €/Jahr können als Sonderausgaben abgesetzt werden (lohnt ab ca. Steuerklasse 30 %)
Die größten Kritikpunkte
- Rendite oft unter Inflationsrate: Die verpflichtende Beitragsgarantie zwingt Anbieter zu konservativen Anlagen – typische Renditen von 1–3 % p.a. verlieren real an Kaufkraft
- Hohe Kosten: Abschlusskosten, Verwaltungsgebühren und Fondskosten fressen bei vielen Produkten 0,5–2 % der Rendite jährlich
- Nachgelagerte Besteuerung: Im Rentenalter wird die Auszahlung voll versteuert – wer dann noch über dem Grundfreibetrag liegt, verliert einen Teil der Förderung
- Förderung bei niedrigen Einkommen wirkt schlechter: Wer im Alter unter dem Grundfreibetrag bleibt, hatte die Steuervorteile sowieso nicht
Was bedeutet die Abschaffung ab 2027?
Ab 2027 soll das neue staatliche Altersvorsorgedepot (pAV) die Riester-Rente ablösen. Bestehende Riester-Verträge bleiben bestehen und werden weiter gefördert. Wer jetzt noch einen Riester-Vertrag abschließen möchte, kann das bis Ende 2026 – aber es lohnt sich nur noch selten für Personen ohne Kinder und ohne Steuervorteil.
Tipp
Faustregel: Riester lohnt sich fast immer für Familien mit Kindern (wegen der Kinderzulagen) und kann sich lohnen für Singles in hohen Steuerklassen. Für alle anderen gibt es 2026 mit dem neuen pAV-Depot eine attraktivere Alternative.
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