Finanzen6 Min. LesezeitAktualisiert: 18. Mai 2026

ETF-Sparplan vs. Riester: Was lohnt sich langfristig mehr?

Staatliche Förderung vs. maximale Rendite: Wann schlägt ein simpler ETF-Sparplan die geförderte Riester-Rente – und für wen ist es umgekehrt?

Inhalt

  1. 1.Das grundlegende Problem
  2. 2.Rechenbeispiel: Singles ohne Kinder (30 Jahre Laufzeit, 1.200 €/Jahr)
  3. 3.Rechenbeispiel: Familie mit 2 Kindern (nach 2008)
  4. 4.Steuer: Der versteckte Nachteil von Riester
  5. 5.Kombinationsstrategie

Das grundlegende Problem

Riester gibt staatliche Förderung, aber schlechte Rendite. ETFs geben keine Förderung, aber historisch 6–9 % Rendite p.a. Die Frage ist: Wie viel Rendite muss ein ETF bringen, damit er die staatliche Förderung übertrifft? Und ab wann kippt das Verhältnis?

Rechenbeispiel: Singles ohne Kinder (30 Jahre Laufzeit, 1.200 €/Jahr)

SzenarioEigenbeitragFörderungEndkapital
Riester (2 % Rendite)36.000 €5.250 €ca. 56.000 €
ETF (6 % Rendite)36.000 €0 €ca. 101.000 €
ETF (4 % Rendite)36.000 €0 €ca. 70.000 €
ETF (3 % Rendite)36.000 €0 €ca. 60.000 €

Fazit für Singles ohne Kinder: Selbst bei nur 3 % Rendite schlägt der ETF die Riester-Rente. Der Grund: Die Riester-Grundzulage von 175 €/Jahr macht bei 1.200 € Eigenbeitrag nur ca. 14,6 % Bonus – das holt ein ETF durch höhere Rendite schnell auf.

Rechenbeispiel: Familie mit 2 Kindern (nach 2008)

SzenarioEigenbeitragFörderungEndkapital
Riester (2 % Rendite)36.000 €22.050 €ca. 95.000 €
ETF (6 % Rendite)36.000 €0 €ca. 101.000 €
ETF (4 % Rendite)36.000 €0 €ca. 70.000 €

Fazit für Familien: Bei 2 Kindern erreicht Riester mit nur 2 % Rendite fast die Höhe eines 6 %-ETFs. Die staatliche Förderung (175 + 600 = 775 €/Jahr) auf 1.200 € Eigenbeitrag ergibt eine Förderquote von 65 % – das ist ein enormer Vorsprung, den ETFs erst bei sehr hoher Rendite aufholen.

Steuer: Der versteckte Nachteil von Riester

Riester-Auszahlungen werden im Rentenalter voll versteuert (nachgelagerte Besteuerung). ETF-Gewinne unterliegen nur der Abgeltungssteuer (25 % auf Gewinne, nicht auf die Einzahlungen). Bei einem Grenzsteuersatz von 30 % im Rentenalter verliert Riester einen Teil seiner Fördervorteile durch die Steuerlast.

Kombinationsstrategie

Die optimale Strategie für die meisten: Riester/pAV für den geförderten Teil (besonders wenn Kinder vorhanden), ETF-Sparplan für alles darüber hinaus. Riester/pAV gibt staatliche Sicherheit und Förderung, der ETF gibt Renditepotenzial. Beide ergänzen sich, statt zu konkurrieren.

Tipp

Wichtig: Ab 2027 ersetzt das pAV-Depot die Riester-Rente. Das pAV kombiniert staatliche Förderung mit ETF-Anlage – und könnte den Riester-vs.-ETF-Vergleich dauerhaft zu Gunsten der staatlichen Vorsorge kippen, wenn die Renditen stimmen.